Sonntag, 12. Juli 2009

Copy and paste

oder:

Wieviel Diebstahl ist erlaubt?

Ich lese viel. Und ich schreibe viel. Und ich kann und will nicht ausschließen, dass der eine oder andere meiner geistigen Ergüsse stilmäßig sehr nahe an dem ist, was jemand anders an anderer Stelle von sich gegeben hat. Das halte ich auch für ganz normal. Irgendetwas von dem was wir täglich hören, sehen, lesen bleibt immer hängen. Eine lustige Wortkonstruktion, ein (be-)merkenswertes Foto, eine nachdenkenswerte These. Es gibt wohl nichts, was es noch nicht gab. Und ist es nicht auch genau das, was unsere eigene Kreativität herausfordert? Aber nicht jeder der schreibt ist kreativ. Das muss er auch gar nicht. Es geht nämlich auch ohne.

Ich frage mich, wie glaubwürdig und ernst zu nehmen bin ich, als Schreiberling und/oder als Mensch, wenn ich mich den geistigen Produkten anderer bediene und sie als meine eigenen ausgebe? Und ich frage mich, ob dieses Vorgehen geeignet ist, mein Selbstwertgefühl zu steigern? Und wenn ja: wie lange wird es dauern, bis ich mir meiner Oberflächlichkeit bewusst werde?

Ich finde, wenn es denn wirklich etwas "Entliehenes" sein muss, ist es eine Frage der Ehre, die entsprechende Quellenangabe hinzuzufügen.

Kommentare:

  1. Hast du eigene Texte an einem anderen Ort gefunden?

    AntwortenLöschen
  2. Annika,
    grundsätzlich ärgere ich mich darüber, wenn ich irgendwo Texte lese, die ich kenne und von denen ich weiß, dass der Autor ein anderer ist, dies aber nirgends vermerkt ist bzw. dieser nicht um Erlaubnis gefragt wurde. Ich empfinde das als unverschämt. Und armselig.

    Nein, ich habe keine eigenen Texte an einem anderen Ort gefunden. NUR ein paar eigene "Eigenheiten". Und dann noch ein nachgestelltes Foto. Aber das hatte ausgereicht, um mich zu ärgern. Inzwischen ist meine Wut verflogen. Inzwischen bin ich stolz darauf, offensichtlich so gut zu sein, dass andere mich kopieren. Alles eben auch eine Frage der Perspektive. ;-)

    AntwortenLöschen
  3. In diesem Blog habe ich bis jetzt keine speziellen Fotos gesehen, die so speziell - und urheberrechtlich schützenswert - wären, dass andere Fotos nachgestellt wirken könnten.
    Mit "eigenen Eigenheiten" Postings dieses Blogs in puncto Text, Gestaltung und Idee verhält es sich ähnlich, solange keine Texte ohne Rückfragen ( und/oder Quellenangaben ) wortwörtlich bzw. zu gewissen gravierenden Teilen kopiert wurden.
    Auf jeden Fall würde ich aber dazu raten, betreffende "Copyisten" direkt anzusprechen, um weitergehende "Copies" zu vemeiden bzw. bestehende zu löschen.

    AntwortenLöschen
  4. Palli,
    das nachgestellte Foto ist keines aus meinem Blog. Und ganz so eng sehe ich das nicht mehr, in einer Mail von heute stand, solange ich kopiert werde, kann ich nicht soooo schlecht sein. Das hat mich ein bisschen versöhnt. ;o)
    Die Frage stellte sich einfach mal so grundsätzlich, weil es mir schon seit vielen Jahren sauer aufstößt, wenn ich sehe, was andere als ihr "eigenes Werk" hinstellen.
    Gruß,
    Bea W. aus V. bei D. am R. :o)

    AntwortenLöschen
  5. schwieriges Thema. Ich sehe das generell genauso, dass ich auch gern verweise, wenn ich etwas übernommen habe. Ab und zu unterbleibt es aus Schusseligkeit und dann steh ich zu Recht doof da. Manchmal ist es aber auch einfach so, dass man sich gar nicht bewußt ist, dass man etwas kopiert hat im eigentlichen Sinne. Ich gehe glaub ich selbst gern und oft über diese Grenze ohne es zu merken.

    AntwortenLöschen
  6. istschonzeit,
    ich glaube, dass ist ganz normal, dass man diese Grenze immer wieder überschreitet. Und davon kann sich wohl auch niemand freisprechen. Was ich in meinem Beitrag meinte ist allerdings das, ich nenne es mal "Kopieren mit Vorsatz". Einen Text zu kopieren, sich dafür feiern lassen wie toll man schreiben kann und das NICHT sofort klarzustellen (dass der Beitrag nicht von einem selbst stammt), DAS finde ich ... na ja, ich schrieb es bereits ;o)

    AntwortenLöschen
  7. Meine Meinung: ist es ein selbst fotografiertes Bild, das ggf. verändert wurde, ist es trotzdem eine Sache des Urheberrechts. Könnte man die Arbeit dem anderen in Rechnung stellen. (Denk nur an das Ganze mit dem Copyright von z.B. Bilderdiensten.)
    Wenn ich mal Texte kopiere, dann schreibe ich immer dazu, von wem der Text ist. Wobei ich auch schon Gedichte vom z.B. Mondkalender übernommen habe, bei dem "unbekannter Autor" stand. Manchmal schreibe ich auch nur z.B. 'bei XY hab ich heute was witziges über xx gelesen'. Dann die URL des Verfassers.

    AntwortenLöschen
  8. Rose,
    das finde ich auch völlig ok. Und wie gesagt, es passiert sicher auch, dass man etwas postet, und sich gar nicht bewusst ist, dass es sich um etwas handelt, dass man so oder in sehr ähnlicher Form schon einmal irgendwo gesehen oder gelesen hat. Man denke nur an die vielen Handarbeits-Foren, in denen zig Leute mit der gleichen Vorlage das gleiche Teil genäht haben und dann ein Foto davon posten z. B. Dann aber zu behaupten oder den Anschein zu erwecken, die Vorlage hätte man selbst erstellt, DASS ist es was sich nicht gehört, wie ich finde. Und mir geht es hier auch weniger um die rechtliche Seite sondern viel mehr um die moralische. Niemand ist päpstlicher als der Papst, auch ich nicht ;o)

    AntwortenLöschen