Sonntag, 5. September 2010

Katastrophentour


Da hatte ich mir doch alles so schön ausgedacht und geplant und berechnet und vorbereitet und alles und was ist dabei raus gekommen? Eine Katastrophentour!

Es ist Sonntagmorgen, die Sonne strahlt über alle Backen und ich bin in genau der richtigen Stimmung: 
auf zum Geocaching!

Nachdem ich meinen Rucksack mit allen möglicherweise notwendigen Utensilien bestückt hatte (Einweghandschuhe, feuchte Tücher, Kugelschreiber, ein kleines Handtuch, Handy, zwei Gefrierbeutel, ein Mini-Blumenkasten-/Gartenwerkzeug-Set, Notizblock, Sonnenbrille, Fotoapparat, zwei Erfrischungstücher, 750 ml Wasser mit Cassisgeschmack und natürlich das GPS sowie die Cachebeschreibungen), startete ich euphorisch meine erste eigene Tour. Und dann kam alles anders als gedacht, gewünscht, erhofft ...

Hier mein Logbuch:


Sonntag, 5. September 2010
Start: 12:25 Uhr / Ende: ca. 14:00 Uhr
Wetter: sonnig, 16°C

Sehr euphorisch startete ich und erreichte nach 5 Minuten mein erstes Ziel.

Ich versuchte, mich so unauffällig wie möglich zu benehmen, hatte aber das Gefühl, dass mich jeder, der mit seinem Auto an mir vorbei fuhr, merkwürdig ansah. Und es fuhren jede Menge Autos an mir vorbei, so, dass ich keine Traute hatte, mich dort etwas näher umzusehen. Nach 10 Minuten doof rumstehen beschloss ich, weiter zu fahren und mein Glück eventuell auf dem Rückweg zu versuchen.

Das nächste Ziel war schnell erreicht. Dummerweise war dort eine Gruppe Jugendlicher und Kinder  versammelt und eine unauffällige Suche war nicht möglich. Auf dem Rückweg hatte ich dann mehr Glück, denn die Kids waren weg und ich allein auf weiter Flur. Ich habe den Cache dann auch relativ schnell gefunden, konnte ihn aber nicht heben, weil er so hoch angebracht war, dass ich ihn nicht erreichen konnte. Sehr ärgerlich!

Vorher war ich dann aber bei Ziel Nummer 3 und habe den Cache nicht gefunden, weil ich mich nicht getraut habe, im Gebüsch zu stochern und so. Es waren zwar nicht viele Leute unterwegs, aber eben doch ein paar und ich fühlte mich die ganze Zeit beobachtet. Was sollte ich nur sagen, wenn die fragen, was ich denn da mache? Ich bin ein Feigling.

Vielleicht habe ich ja beim nächsten mehr Glück und es sind keine Leute unterwegs. (Klar, es geht in eine Kleingartenanlage. Am Sonntagmittag. Bei bestem Wetter. Natürlich sind da keine Leute unterwegs ...) 

Was dann folgte, war Adrenalin pur! Mein Logeintrag bei geocaching.com:

"taub = tot
Schon als ich den "Schotterwall" hoch auf die Gleise kletterte, kamen diese mir doch recht gepflegt und keinesfalls stillgelegt vor. Als ich dann den Zug hörte, kriegte ich es ganz schön mit der Angst. Muss man tatsächlich über diese Gleisanlage rüber, um auf die stillgelegten Gleise zu kommen? Ich hatte mich so erschreckt, dass ich erstmal den Rückzug angetreten habe. Später habe ich dann versucht, von der anderen Seite an die stillgelegten Gleise zu kommen, aber keine Chance."

Mir ist immer noch ganz schlecht!

Ok, das wäre Cache Nummer 4 gewesen. Und das war der vierte, den ich NICHT gehoben habe. Frust überkam mich. Ich hatte mich so gefreut und musste nun mit gesenktem Haupt und eingezogenem Schwanz wieder nach Hause fahren. Ohne einen einzigen Cache. Ich bin ein Versager! Dann packte mich der Ehrgeiz und ich wollte wenigstens den letzten (als sehr leicht eingestuften) Cache suchen, finden und heben. 

Also auf zu Nummer 5 auf meiner Liste. Bis auf einen Meter wies mein Garmin mir den Weg und ich bin sicher, dass er auch irgendwo da versteckt ist, wo ich gesucht habe. Nur gefunden habe ich leider nichts. 

Ok, das war´s dann wohl. Völlig frustriert und genervt und abgefuckt fuhr ich nach Hause. Es hätte so ein schöner Tag werden sollen ...

Mein Fazit:
Alleine cachen ist offensichtlich nichts für mich. Ich denke, wenn mindestens noch eine Person dabei gewesen wäre, hätte ich vielleicht nicht solche Hemmungen gehabt, auch mal ein bisschen im Gebüsch herum zu stochern und tatsächlich auch nach den Caches zu suchen, schließlich liegen die nicht auf einem Präsentierteller! So war ich viel zu sehr damit beschäftigt, mich unauffällig zu bewegen und zu gucken, ob da irgendwo Leute sind, die mich vielleicht merkwürdig ansehen oder womöglich noch fragen, was ich denn da mache.

Ich gebe nicht auf. Alle Caches, die heute auf meinem Plan standen, will und werde ich finden und heben!


Und jetzt suche ich mir erstmal eine Geocaching-Versager-Selbsthilfegruppe ...

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Nachtrag
Aber ich will mich nicht nur beklagen:
das Wetter war toll, es herrschten angenehme, frühlingshafte Temperaturen, die Straßen waren relativ leer, das Radfahren hat Spaß gemacht, ich hatte anderthalb Stunden Bewegung an der frischen Luft und unterwegs gab es ein Stück frischen Apfelkuchen. Ja ist das nix?



Kommentare:

  1. Bea, weißt du was in Kiel für durchgeknallte Typen rumlaufen? Niemand stört sich daran, wenn du ins Gebüsch luscherst! Also los, wieder hoch vom Sofa und umdrehen!

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  2. Ja warum sacht mir das denn keiner???
    Nee, anderthalb Stunden waren mehr als genug, jetzt bin ich platt. Aber die nächste Gelegenheit kommt bestimmt!

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  3. Du machst Sachen .... :-D
    Du kennst doch den Spruch, "Bange machen gilt nicht". Also los, hin und gehoben den Schatz

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  4. Geht los, sobald ich wieder los geh. :)

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  5. also liebes Bea ...zu zweit fände ich das ganze auch lustiger, wobei...über die Gleise währe ich auch nicht gegangen ...tsss:-)
    lieben Sonntagsgruss
    Martina Paderkroete

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  6. also ich würde sagen das war fast, ein voller erfolg!
    gutes wetter, bewegung auf dem rad und noch lecker essen. wen stören da die paar nicht gefundenen ziele.

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  7. Bei der Selbsthilfegruppe bin ich doch glatt dabei, ich finde allein ja auch nie was, immer nur, wenn du dabei bist und die Wespen für mich ablenkst. ;-) Sollen wir demnächst mal wieder zusammen losziehen? Mail mir doch mal, welche Caches das bei dir waren, bzw. hätten sein sollen heute.
    :-)

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  8. Ich denke auch, dass es zu zweit noch besser wird! Vermutlich hat dich niemand angeschaut :-)

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  9. Liebe Martina,
    also so grundsätzlich mag ich ja ganz gern allein losziehen, aber in diesem Falle brauche ich jemanden, den ich vorschieben kann. Das mit den Gleisen war schon heftig. Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte. Wie ich inzwischen erfahren habe, muss ich wohl doch ziemlich falsch gegangen sein, also der Garmin is schuld!

    riese,
    genau so muss man das sehen. Ach was, man kann das gar nicht anders sehen!

    zimtapfel,
    Mail ist unterwegs. Sobald ich wieder kann, melde ich mich.

    Lauffrau,
    vermutlich nicht, aber wie das so ist, wenn man anfängt, sich rein zu steigern ... ^^

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  10. Hallo Bea,
    ich kann mir vorstellen, daß es alleine nicht so richtig Spaß gemacht hat. Das ist ja bei den meisten Sachen so, daß es zu zweit erst richtig Laune macht.
    Ich wünsche Dir für das nächste Mal mehr Erfolg.
    Liebe Grüsse vom Bodensee,
    Michaela

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  11. Hallo Michaela,
    nein, so ist es eigentlich gar nicht. Ich unternehme solche Sachen sogar sehr gern alleine. Sightseeing-Touren z. B. mache ich nur äußerst ungern mit jemandem zusammen, weil ich dann am liebsten nur mit mir und dem "Objekt" beschäftigt sein möchte, da stört eine weitere Person mich eher. Ich bin da so der Typ Eigenbrödler. Aber beim Geocachen ist das ein bisschen was anderes, weil man zu zweit viel eher die Möglichkeit hat, mal unauffällig irgendwo rum zu stehen oder einer sucht und einer lenkt die Leute ab oder so. Am allerbesten würde es vermutlich mit Kindern gehen, weil die ja eh immer und überall rumwuseln und so gar nicht auffallen würde, dass man was sucht. Nur: wo soll ich jetzt um Himmels Willen ein paar Kinder her kriegen? ;)

    Danke schön, beim nächsten Mal gebe ich mir extra viel Mühe und dann klappt das auch!
    Liebe Grüße zurück :)

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  12. Und morgen werde ich´s Euch allen zeigen. So!

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  13. Och, menno! Das war eben mal nicht das Deppenglück, sondern das Anfängerpech! Nicht entmutigen lassen und abhaken!
    Aber........über Deinen (ehrlichen) Bericht habe ich mich - entschuldige - köstlich amüsiert!

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  14. Für mich klingt das sehr cool. Das will ich auch mal ausprobieren!! Dann hat das Gelatsche ja noch mehr Sinn. LG Sudda

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  15. Idee von mir....
    Buch von einheimischen Pflanzen und Tieren kaufen vor die Nase halten und du kannst ganz interresiert in Büsche schauen oder an Bäumen hoch ;)

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  16. Uta,
    so sehe ich das auch, obwohl ich schon glaube, mit ein bisschen mehr Mut hätte ich die Caches auch gehoben. Aber die habe ich auf´m Zettel und die sind auf jeden Fall mir. ;)

    Sudda,
    ich finde das sehr spannend und wie Du schon sagst: dann hat das Rumgelatsche wenigstens einen Sinn. Solltest Du wirklich mal ausprobieren. :)

    Stevie,
    Du bist genial! Rate mal, was ich mir eben bestellt habe ... :D

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